„Die Angst vor dem Superkeim“

(Göttinger Tageblatt: 20.5.2017 Andreas Niesmann und Anton Zirk)
Bargat setzt sich auch für die Gesundheit der Menschen in Indien und auch die der Indienreisenden ein. Im Mai erschien ein Bericht des Infektionsmediziners aus Leipzig, Christoph Lübbers, über das massive Auftreten von multiresistenten Keimen rund um Pharmafabriken in Hyderabad. Untersuchungen von Lübbers ergaben, dass 70 Prozent der Touristen dieser Gegend antibiotikaresistente Keime am oder im Körper trugen.
Das Bargat-Mitglied, Dr. Gunther Claus, Mediziner, der schon selbst in Indien tätig war, erläutert die Situation aus medizinisch-fachlicher Sicht.
Die Autoren des Zeitungsartikels meinen hierzu:
„Dass das Problem von den Behörden in Indien gelöst werden könnte, ist eher frommer Wunsch“.

Globale Reisemöglichkeiten haben Schattenseiten
(Dr. Gunther Claus)

Aufgeschreckt durch den ARD-Fernsehbericht im Mai „Der unsichtbare Feind – Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken“ haben multiresistente Bakterien ein weiteres Mal das Bewusstsein der Öffentlichkeit erreicht. In dieser Reportage wurden die Ergebnisse von Dr. med. Christoph Lübbert, Infektiologe am Universitätsklinikum Leipzig, vorgestellt, der im November 2016 Abwasserproben aus dem Pharmastandort Hyderabad auf bakterielle Besiedlung untersuchte. Neben Rückständen von Antibiotika und Antimykotika in höchsten Konzentrationen fand sich darüber hinaus eine Vielzahl multiresistenter Bakterien. Nicht treffender hätte Lübbert seine Analyse als „Bioreaktoren unter freiem Himmel“ zusammen. In fast allen 28 an der Universitätsklinik Leipzig untersuchten Proben fanden sich neben multiresistenten Erregern auch Bakterien mit „Extended-Spectrum-Betalaktamasen“ (ESBL). Für alle diese Keime kommen höchsten noch drei Antibiotika zur Wirkung. Eine dieser Reservemedikamente ist Colestin, das in Indien bereits in 20 – 30 % der Infektionen eingesetzt wird.
In den führenden Industrienationen sind die mangelnde Hygiene in den Krankenhäusern und Arztpraxen und der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika die häufigste Ursache in der Entstehung und Verbreitung von MRSA und ESBL. Daneben findet sich der falsche Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, so auch als Wachstumsförderer. Neben dem Entstehen solcher Keime in unseren Heimatländern, kommt jetzt die Verbreitung durch die globale Reisemöglichkeit in Betracht. Lübbert berichtet „mehr als 70 Prozent der Indienreisenden sind Träger solcher Erreger, bei Reisenden aus Südasien etwa 50 %“.
Wie schnell sich Keime ausbreiten können hat die spanische Grippe nach dem ersten Weltkrieg oder der Ebola Virusausbruch in Westafrika vor wenigen Jahren gezeigt. Neben abnehmender Zahl von Reserveantibiotika steht weltweit keine Neuentwicklung von Antibiotika an.
Da eine Zunahme von Infektionskrankheiten jetzt auch einen wachsenden Kostenfaktor in der Wirtschaft darstellt, wird sich dem Problem auch politisch angenommen. Neben dem G20 Gipfeltreffen der Regierungschefs, treffen sich erstmalig auch die Gesundheitsminister der G20 Länder, um über Krisenpläne zur Eindämmung der Verbreitung von Infektionskrankheiten zu beraten. Einen Einfluss auf die Abwasserhygiene, so in Hyderabad, werden sie wohl nicht ausüben können, aber vielleicht einen Beitrag zu einem besseren Hygienestandard und einem um- sichtigeren Verordnungsverhalten in der Human- und Veterinärmedizin in unseren Ländern leisten.

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