Tiefe Wurzeln – Lyrische Erzählungen von Jacinta Kerketta

Text und Bilder von Ada Hahn

Zahlreiche Interessierte kamen am 7. Juni in der Galerie Alte Feuerwache in Göttingen zusammen, um an der Lesung der indischen Lyrikerin, Journalistin und Bildungsaktivistin Jacinta Kerketta teilzunehmen. Der gemeinnützige Verein Bargat gestaltete in Kooperation mit der Universität Göttingen einen lyrischen und interkulturellen Abend, an dem Jacinta Kerketta und ihr Übersetzer Johannes Laping aus ihrem neu erschienenen Gedichtband „Tiefe Wurzeln“ lasen. Kerketta erzählt mit ihren Versen Geschichten aus dem Leben in der indigenen Adivasi-Gemeinschaft und macht auf Konflikte in und mit der indischen Gesellschaft aufmerksam. Allem voran, adressiert sie das wachsende Problem, „der Dörfer und Dschungel, die zunehmend von der Erde verschwinden“. Mit gebannter Spannung lauschten die Besucherinnern und Besucher ihren Gedichten, die zum Beispiel durch den bildlichen Vergleich von Meer und Dschungel hervorheben wie die Wälder in denen die Adivasi leben die verschiedenen Lebensformen und Naturerscheinungen in ihnen bewahrt im krassen Kontrast zu der Welt um den Dschungel herum, der zu oft Identitäten mit sich reißt und zu verschlingen droht. Ein Vergleich, der gleich mehrere Bedeutungsebenen offenbart: die nachhaltige und bewahrende Natur der Adivasi-Lebensweise auf der einen Seite, sowie die unterdrückende Wirkung einer wachsenden Mainstream-Gesellschaft auf der anderen. Ein Thema, das von Kerketta in „Der Tod der Muttersprache“ weiter aufgegriffen wird und von den aussterbenden Sprachen in den indigenen indischen Gemeinschaften erzählt und welches – wie so viele von ihren Gedichten – auf Kerkettas eigenen Erfahrungen beruht. Wieder andere Gedichte beziehen sich auf universellere Themen, wie zum Beispiel die Chancenungerechtigkeit und Unterdrückung von Mädchen und Frauen, mit der die Lyrikerin wie so viele andere Frauen in Indien und dem Rest der Welt bis heute zu kämpfen haben.

Bild 1: Prof. Dr. Andrea Bogner (am Mikrofon) von der  Interkulturelle Germanistik der Universität Göttingen stellt  Jacinta Kerketta und ihren Dolmetscher Dr. Johannes Laping vor. Noch im Bild ist Prof. Dr. Sunanda Mahajan

Das Selbstverständnis der Lyrikerin Jacinta Kerketta, dass sie so einzigartig und bildhaft in ihrem zweiten Gedichtband widerzuspiegeln vermag, löste auch großen Zuspruch in der Galerie Alte Feuerwache aus. Auf die Lesung Kerkettas und Lapings folgte ein Gespräch mit der Germanistin und Übersetzerin Prof. Dr. Sunanda Mahajan, die als Gastprofessorin an der Universität Göttingen an der Veranstaltung mitwirkte. Die Fragen Mahajans sowie des Publikums gaben zusätzlich die Möglichkeit, die Lebensgeschichte der Lyrikerin und die Hintergründe ihre Gedichte zu durchdringen. Auch im Gespräch mit dem Übersetzer Johannes Laping wurde diskutiert, wie die deutsche Version von dem Original in Hindi abweicht und wie so gewisse Schwerpunkte bei der Übersetzung gesetzt worden sind. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von Andreas Düker an der Gitarre und James Albert an der Tabla mit ihren „indischen Improvisationen“

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Bild 2: Andreas Düker (Gitarre) und James Albert (Tabla) mit “Indischen Improvisationen”

Die Kooperationspartner Bargat e.V. und die Germanistische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen bedanken sich für das zahlreiche Erscheinen der Interessierten sowie an allen, die an dem Gelingen der Veranstaltung mitgewirkt haben. Der Lyrikerin Jacinta Kerketta wünschen wir zudem viel Glück bei ihrer Arbeit und hoffen sie bald wieder in Göttingen begrüßen zu dürfen.

Bild 3: Jacinta Kerketta trägt vor

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